Tradition des König- und Pokalschießens

Das ‚Königschießen‘ eine uralte Tradition in der Sankt Sebastianus Bruderschaft Allrath 1533 und ist gleichzeitig auch die Basis für das ‚Schinkenessen‘ gewesen. 

Ebenso wie das ‚Schinkenessen‘ ist auch das ‚Königschießen‘ bereits in der Uralt-Satzung von 1630 verankert und ist bis heute ein fester Bestandteil im Jahreskalender der Sankt Sebastianus Bruderschaft Allrath 1533. Ebenso wie das ‚Schinkenessen‘ ist auch das ‚Königschießen‘ in der heutigen aktuellen Satzung noch verankert. 

Zitate zum ‚Königschießen‘ aus der Satzung von 1630:

  • Anfänglich, wan der Vogel aufgerichtet und daran sollte geschossen werden, so wird vorerst der angedeutet Platz, darauf der Vogel soll geschossen werden aus gnädigstem landfürstlichen privilegio, durch den zeitlichen Gerichtsboten befreyt, und wer allda nichts zu schaffen hat, soll darab bleiben; auch soll man sich mit dem Vogelschießen fleißig vorsehen, daß kein Ungemach geschehe, und allenfals ein Ungemach –darvor Gott seyn wolle- unverhoft und durch ein Unglück geschehen sollte, ist deßentwegen nichts zu thun; wer aber ein muthwilliges Unglück verursacht, solle hart gestraft werden.
  • So bald die Schützen gezeichnet und das Schießen vor die Hand solle genohmen werden, wird im Namen Ihro Churfürstlichen Durchlaucht durch den ältesten Schützen oder Vorsteher der erste Schuß geschehen und vorbehalten mit harter Stimm, und darnacher der gewesene König, diesem nach die andern nach der Ordnung.
  • Vermög der Election *1 , so der Richter oder Pastor thun soll, wird observieret, daß ei jedweder, einer nach dem anderen, seinen Schuß ordentlich verrichte, in Gegenwart des Herren Pastors und Schützen die Flintlade, und da der Vogel nach einal umgegangener Ordnung noch nicht abgeschoßen worden, soll von vorne an wiederum also continuiret und verfolget werden.
  • Keinem ist zugelaßen in diesem Vogel- und Bruderschießen zu schießen als nur alleine mit Panirschüßen, aber nicht mit gezogenem Büchsen und Draht Kugelen; item soll ein jeder Bruder selbst oder ein ander Bruder vor *2 ihn zu schießen schuldig und gehalten seyn.
  • Nach abgeschoßenem Vogel ist keinem erlaubt, mit geladenem Gewähre von der Vogelstang wegzugehen; die geladene müßen entweder loßgeschoßen oder ausgeleeret werden, unter Straf 1 Ohms Biere *3, auch darf keiner bey Führung des Königs nach dem Recreationsord *4 noch nachher bey dem Nachhausgehen erlaubt seyn zu schießen, ebenfalls unter Straf eines viertel Ohms Bier.
  • Weilen beym Vogelschießen viele inconventientia *5 dan und wan gesehen worden, als solle keiner dabey, wie auch bey allen Versammlungen –so mgen traurig oder fröhlich seyn- Tabac rauchen, auch nicht spielen. Alle sollen in Gegenwart des Herren Pastor des Herren Vogten und bey den Bruderschaften ihren Bley vorweisen und ihre Büchsen haben; wan aber einer dagegen thut, soll der Schuß ungültig seyn und ein Gulden Straf zahlen. Wan aber nach einmal abgelaßener Ordnung nöthig seyn sollte, schärfer zu laden, kann von Obgesagtem hierüber dispensirt *6 werden. Item soll keiner nach dem Königessen den König wieder nach Hause führen, unter Straf eines Gulden, noch soll der König sich von jemand führen laßen unter Straf eines ½ Ohms Bier.
  • Nach geschehener Danksagung sollen die Schilder gleich nach der Kirchen getragen und in die Bruderschaftskiste verschlossen werden; eben also solle auch jedesmal, wo die Schilder umgetragen werden bey den Procesionen dürch die Schützen, selbe gleich nach der Procession wieder ans gehörige Ord verlegt und verschlossen werden; wan sonsten durch der Schützen Versäumniß etliche verlohren giengen, sollen sie verbunden seyn, selbe herzustellen.
  • Der *14 König wird, soll geben auf das Bruderessen zukünftigen jahrs 2 gute Schinken ungfehr von 20 Pfund auch 2 gute Kalbsbraten von 234 Pfund, für 24 Albus *15 weißbrod, hingegen thut die Bruderschaft auf das essen das bier; nach gut befinden des Gnädigsten Herren Ambmann werden darnacher die frauen deren Brüderen darauf kommen, wobey aber zu beobachten, daß alsdan keine Körbe mit Trunk und Essen mehr könne gebracht werden, auch die Schwestern an einem besonderen Tisch zusammen, wie auch die Brüder sitzen sollen und zwar so lang biß die Danksagung geschehen ist und sie nachher Haus ohne gelaerm gehen sollen unter straf eines Pfund Wachs. Die Brüder hingegen können noch bis zur bestimmten zeit bleiben.
  • Was nun aber übrig bleibt bey diesem essen, solle denen hausarmen nach vermögen und gelegenheit der Bruderschaft auf selbigen tag um Gottes Willen gegeben werden.

Das ‚Königschießen‘ wurde ebenfalls von den Gründungsjahren an bis weit in die 80-er Jahre des vorigen Jahrhunderts jeweils auf dem Fronleichnamstag durchgeführt. Anfänglich trat man zum ‚Königschießen‘, nach einem Gottesdienst und der zugehörigen Prozession, an der Kirche an und formierte sich zu einem Umzug durch den Ort bis zum Schießplatz (damals am Ortsrand gelegen). Dieser Umzug zum Schießplatz wurde ab den späten 20-er Jahren des vorigen Jahrhunderts aus nicht dokumentierten Gründen nicht mehr durchgeführt. Von 1911, ein Jahr nach der Gründung des Bürgerschützenvereins 1910 Allrath e.V., bis in die späten 20-er Jahre, wurden die beiden Wettbewerbe zum ‚Königschießen‘ von Bürgerschützenvereins 1910 Allrath e.V. und Sankt Sebastianus Bruderschaft Allrath 1533 in Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung auf Pfingsten durchführt. Auch hierzu gab es einen Umzug durch den Ort, sowohl zum, als vom Schießplatz zurück zu den Räumlichkeiten der ‚Gaststätte Kropp‘, in denen dann noch kräftig gefeiert wurde. 

Der Schießplatz bzw. seine Lage innerhalb des Ortes hat sich zwangsweise im Laufe der Jahrhunderte mehrfach geändert und ist heute nicht mehr existent. Seit Ende der 20-er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde das ‚Königschießen‘ traditionsgemäß –nach Messe und Prozession- wieder am Fronleichnamstag im Hof der Gaststätte ‚Verhagen‘ durchgeführt. Als die Gaststätte geschlossen wurde, fand dann ab Anfang der 80-er Jahre das ‚Königschießen‘ –im Regelfall- in den Räumlichkeiten des Pfarrheims statt. Bedingt durch die Änderung der Kirchenorganisation in den Pfarrgemeinden mussten auch in Allrath Änderungen vorgenommen werden, die nicht ohne Auswirkungen auf das ‚Königschießen‘ der Sankt Sebastianus Bruderschaft blieben. Eine dieser Änderung  war die Änderung der Regeln zum Fronleichnamstag. Seit diesem Zeitpunkt konnte in Allrath nicht mehr jährlich die Messe und die Prozession stattfinden, sonder wurde im Wechsel mit 3 Pfarrgemeinden vorgenommen. Somit musste für das ‚Königschießen‘ der Sankt Sebastianus Bruderschaft ein anderer Termin gefunden werden. Mit Rücksicht auf die diversen Veranstaltungen der anderen Vereine in Allrath, wurde schließlich der 3. Sonntag im Oktober als Tag für das ‚Königschießen‘ festgelegt. Aktuell stehen wieder Änderungen in der kirchlichen Organisation der Pfarrgemeinden an, die wahrscheinlich auch wieder das ‚Königschießen‘ der Sankt Sebastianus Bruderschaft berühren werden. Es bleibt abzuwarten, welche Konsequenzen dann gezogen werden müssen.

Ebenso wie der Schießplatz, hat sich auch das ‚Königschießen‘ selbst bzw. die Art der Durchführung des ‚Königschießens‘ drastisch geändert. Wurde anfangs noch mit einer Armbrust geschossen, so wurde diese mit der Verbreitung von Schusswaffen immer mehr in den Hintergrund gedrängt und schließlich gänzlich abgeschafft. Vom Steinschlossgewehr, über das Zündhütchen-Gewehr bis hin zu den späteren Kalieberwaffen, hier speziell die Kleinkaliberwaffen wurden alle Waffenarten zum ‚Königschießen‘ verwendet. Die Sankt Sebastianus Bruderschaft Allrath 1533 schon sehr früh dazu entschlossen, das ‚Königschießen‘ nur noch mit s.g. Luftdruckwaffen (Luftgewehr) durchzuführen, ohne jedoch die Grundlagen aus der Historie, nämlich das Schießen auf einen Holzvogel, zu verlassen. Ebenso wird auch das entsprechende Pfänderschießen mit dem Luftgewehr durchgeführt. 

Diese Änderungen ergab sich zwangsweise auch aus den diversen Gesetze, Regelungen und Auflagen zum Tragen und Umgang mit Waffen (Waffengesetz), die als solche doch erhebliche Einschränkungen und Regularien dem Veranstalter auferlegen, wenn er einen Schießwettbewerb durchführen will. Um diesen Vorgaben gerecht zu werden, wurde die Änderung hin zum Luftgewehr vorgenommen. 

Nichts desto trotz sind die Schießwettbewerbe nach wie vor eine Attraktion im Veranstaltungskalender der Sankt Sebastianus Bruderschaft Allrath 1533. Im Laufe der 80-er Jahre wurde das ‚Königschießen‘ um einen Wettbewerb, das ‚Pokalschießen‘ erweitert. Anfänglich war es nur ein reiner Herrenwettbewerb, jedoch kurze Zeit später wurde auch noch ein Damenpokal-Wettbewerb hinzu genommen, der sich allgemeiner Beliebtheit erfreut und meist auch gut besucht ist.

Trotz aller Änderungen war, ist und bleibt das ‚Königschießen‘ eine der wichtigsten Veranstaltungen der Sankt Sebastianus Bruderschaft Allrath 1533.